Der SV 09 Staßfurt muss sich im Salzland-Derby der Fußball-Landesliga spät Union 1861 Schönebeck geschlagen geben. Warum Trainer Schmoldt nicht nur mit dem Ergebnis hadert.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
SCHÖNEBECK/STAßFURT. Der Satz „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ ist das wohl berühmteste Zitat des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Es soll zum Ausdruck bringen, dass eine frühere Aussage wenig später bereits wieder hinfällig ist, weil man in der Zwischenzeit klüger geworden ist oder sich die Ausgangslage geändert hat. Im Salzland-Derby der Fußball-Landesliga zwischen Union 1861 Schönebeck und dem SV 09 Staßfurt ließ sich damit auch die Herangehensweise der beiden Cheftrainer zusammenfassen. Sicherlich bedingt dadurch, dem Gegner im Vorfeld nicht zu viel der eigenen Strategie zu verraten, war der zuvor ausgegebene Matchplan nicht unbedingt deckungsgleich mit dem, was die 159 Fans im KT Sportforum sahen.
Das fing schon mit der Spielweise der Gäste an. „Wir wollten ein bisschen was verändern und tiefer stehen, wollten Union den Ball lassen, damit sie eine eigene Idee haben müssen“, blickte 09-Trainer Philipp Schmoldt nach Abpfiff zurück. Vom hohen Anlaufen, welches er zuvor auf beiden Seiten vermutet hatte, war wenig zu sehen. Diese für die Bodestädter untypische Spielweise ging gut auf und schien die Hausherren zu überraschen. „In den ersten 30 Minuten waren sie besser und führen auch verdient“, gestand Union-Trainer André Hoof.
Doch auch er brachte am Freitagabend eine andere Mannschaft auf den Platz, als er zuvor angedeutet hatte. In der Kabine sah er sein Team durchaus in der Favoritenrolle, die er offiziell zuvor von sich geschoben hatte. „Was ich der Presse sage und was ich euch sage, sind zwei unterschiedliche Dinge. Es gibt hier heute nur einen Favoriten“, hatte er seinen Spielern mit auf den Weg gegeben. Und diese ließen den Worten Taten folgen und gewannen das Derby mit 4:2 (1:2).
Zu Beginn sah es danach allerdings nicht aus. Staßfurt fand sehr gut ins Spiel und belohnte sich auch in Person von Maurice Hertel (5., 32.) mit zwei Treffern. „In der Phase können sie sich bei ihrem Torhüter bedanken, dass es nicht 0:3 oder 0:4 stand“, so Schmoldt, der mit der Anfangsphase sehr zufrieden war.
Union hatte sich in dieser Phase der Staßfurter Spielweise mit langen Bällen angepasst und war so nach vorne kaum gefährlich. Doch sobald sich das änderte, nahmen die Elbestädter das Heft des Handelns in die Hand. „Als Staßfurt dann tatsächlich selbst mehr anlaufen musste, waren wir die bessere Mannschaft“, blickte Hoof zurück. Lohn war der Anschlusstreffer kurz vor der Pause nach einem Eckball, den Erik Nordmann ins Tor beförderte. Die 09er zitterten anschließend ihren knappen Vorsprung in die Kabine.
Spätestens bei der Rückkehr auf den Platz wurde dann jedoch deutlich, in welche Richtung das Pendel an diesem Tag ausschlagen sollte. War es eine Kraftfrage bei den Gästen? „Wir hatten auf jeden Fall nicht mehr die Umschaltmomente“, gestand Schmoldt. Zwar hatten Max Dittwe und Hertel noch einzelne Chancen, den Ball über die Linie brachte jedoch Schönebeck. Tami Joris Stephan traf nach einer in die Mitte geklärten Flanke zum 2:2-Ausgleich.
Wer jetzt dachte, die Partie würde auch auf der Anzeigetafel komplett kippen, sah sich jedoch getäuscht. Es dauerte bis in die Nachspielzeit, bevor Max Drewes (90.+1) und Jannis Borchmeyer (90.+8) den Endstand perfekt machten. „Nach dem 2:2 war es ein Spiel, bei dem jede Mannschaft den Siegtreffer hätte erzielen können. Das waren leider nicht wir“, rekapitulierte Schmoldt. Hoof sah das ähnlich, obwohl seine Mannschaft in der Schlussphase am Drücker war. „Staßfurt ist auch individuell stark genug, um immer noch ein Tor zu machen, von daher war ich selbst nach unserem 3:2 noch nicht beruhigt, sondern erst, als das Spiel wirklich abgepfiffen war“, gestand er. „Am Ende hat aber die Mannschaft gewonnen, die Fußball spielen und nicht die, die ihn verhindern wollte“, konnte er sich eine kleine Spitze in Richtung Staßfurt nicht verkneifen.
Neben der 2:4-Pleite sorgte bei den Gästen übrigens auch die Schiedsrichterleistung für gehörigen Unmut, auch wenn diese nicht als Grund für die Niederlage herhalten sollte. „Erik Nordmann muss eigentlich mit Gelb-Rot vom Platz. Er meckert nach seiner Gelben, macht dann noch ein taktisches Foul – da gibt es keine zwei Meinungen. Auf der anderen Seite gibt es am Ende drei Platzverweise, wobei das Spiel absolut nicht unfair war. Das zeigt ganz gut, wie sich die Schiedsrichter in den Mittelpunkt gespielt haben“, polterte Schmoldt.

Maurice Hertel (links) brachte den SV 09 Staßfurt im Derby gegen Schönebeck in Führung.
Foto: Christian Bartaune
Originalbericht: Volksstimme vom 31.08.26