Der SV 09 Staßfurt schießt sich im Landespokal nach einer Viertelstunde vermeintlich auf die Siegerstraße, muss sich dann aber einem stärker werdenden VfB Gräfenhainichen erwehren.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STAßFURT. 120 Minuten lang stand Nick Pumptow am 22. August 2020 in Bismark auf dem Platz. Es war nach seinem Wechsel von der TSG Unseburg-Tarthun im Herbst des Vorjahres sein erstes Landespokalspiel für den SV 09 Staßfurt, ein Treffer war ihm dabei nicht vergönnt. Tatsächlich musste „Nick P.“, wie der 26-Jährige genannt wird, ganze sechs Jahre auf seinen ersten Pokaltreffer warten. Am vergangenen Freitag war es nun endlich soweit – und das gleich im Doppelpack. Mit seinen beiden Treffern binnen vier Minuten (6., 10.) gegen den VfB Gräfenhainichen legte er den Grundstein dafür, dass die 09er bei der heutigen Zweitrunden-Ziehung noch im Lostopf dabei sind. Nach 90 Minuten stand ein 3:2 (3:0)-Zittersieg für die Hausherren auf der Anzeigetafel.
Staßfurts Co-Trainer Jan Rettinghaus, der den verhinderten Philipp Schmoldt an der Seitenlinie vertrat, strotzte nach dem Abpfiff in der fünften Minute der Nachspielzeit vor Stolz auf seine Mannschaft. „Wirklich Chapeau für diesen Fight. In der ersten Halbzeit spielen wir einen richtig geilen Fußball, aber in der zweiten Halbzeit schaffen wir es dann nur im Kollektiv, spielen und kämpfen im Kollektiv. Jeder war für jeden da“, lobte er.
Die Bodestädter begannen nicht wie ein Team, welches sieglos in die Landesliga-Saison gestartet war, von fehlendem Selbstvertrauen keine Spur. „Von der Besprechung über die Erwärmung war die Mannschaft einfach nur fokussiert, hatte Bock weiterzukommen und eine zweite Runde im Landespokal zu spielen“, betonte Rettinghaus.
Und das schlug sich auch schnell auf der Anzeigetafel nieder. Bilderbuchmäßig setzten die Bodestädter die Vorgabe um, einfach nach vorne zu spielen. Einen Ballverlust im VfB-Aufbau nutzte Maurice Hertel, um den Ball in der gegnerischen Hälfte festzumachen und legte ihn dann auf Pumptow quer, der seinen langersehnten ersten Pokaltreffer im Staßfurter Dress erzielte. Nur vier Zeigerumdrehungen später konnte er – wieder auf Vorlage von Hertel – auf 2:0 erhöhen. Vorausgegangen war dem ein sehenswerter Steckball in die Tiefe. Als sechs Minuten später ein Eckball von Hertel perfekt auf dem Kopf von Florian Schmidt-Daul landete, der zum 3:0 einköpfte, schien die Partie frühzeitig entschieden.
„Der Spielstand zur Pause war in meinen Augen absolut verdient. Aber in der Halbzeit mussten wir den einen oder anderen verletzungsbedingten Wechsel vornehmen und konnten danach unser Spiel nicht mehr so durchdrücken, wie wir uns das vorgestellt haben“, beobachtete Rettinghaus.
Das lag auch daran, dass Gräfenhainichen bei der Rückkehr auf den Platz ein komplett verändertes Gesicht zeigte. Was sich vor der Pause bereits angedeutet hatte, wurde immer deutlicher: Der VfB hatte seinen anfänglichen Schock mit der Zeit abgelegt und bestimmte nun die Partie. „Die haben dann richtig Ballett gemacht und uns vor arge Probleme gestellt. In der zweiten Halbzeit haben wir dann Fußball gekämpft, muss man sagen“, gestand der Co-Trainer.
Es dauerte einige Zeit, aber spätestens mit dem Anschlusstreffer 17 Minuten vor Schluss wurde es zu einem echten Pokalfight. Beide Seiten warfen alles in die Zweikämpfe, was normalerweise nicht die Stärke der Staßfurter ist, „aber auch hier nochmal Chapeau: Die Jungs haben die Zweikämpfe angenommen und nicht nur eingesteckt, sondern auch ausgeteilt, wenn nötig“, lobte ein stolzer Rettinghaus.
Dennoch mussten die Hausherren zittern, bis Schiedsrichter Kilian Kunert (Zorbau) endlich die Partie abpfiff. Die Erleichterung, dass man den Heimsieg über die Zeit gekämpft hatte, war auf und neben dem Platz allen anzusehen. „Wir haben uns den Sieg hart erarbeitet“, gestand der Coach, der aber auch anfügte: „Vielleicht ist es ein bisschen durch die Staßfurter Brille, aber wir ziehen am Ende verdient in die nächste Runde ein.

Die Freude – und Erleichterung – über das Weiterkommen war beim SV 09 Staßfurt nach dem Abpfiff allen anzusehen.
Foto: Verein
Originalbericht: Volksstimme vom 24.08.26