SV 09 gegen HV Rot-Weiss hieß es wieder in Staßfurt. Welchen Mehrwert das Duell trotz der klaren Rollenverteilung hatte und warum es im Winter eventuell zu einem Wiedersehen kommt.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STAßFURT. Zu Beginn der zweiten Halbzeit ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Die Mannschaft des SV 09 Staßfurt trat im Freundschaftsspiel gegen die Regionalliga-Handballer des HV Rot-Weiss nach dem Seitenwechsel wortwörtlich wie ausgewechselt auf und schraubte den 1:0-Pausenvorsprung binnen weniger Minuten in die Höhe. 8:0 hieß es am Ende doch noch aus Sicht der klar favorisierten Fußballer, denn den „Gästen“ ging zum Schluss dann doch allmählich die Puste aus. „Die Niederlage war eingeplant“, schmunzelte Handballer Nils Hähnel nach dem Abpfiff. „Am Ende haben bei uns die Konzentration und Kondition nachgelassen und 09 hat uns klar die Grenzen aufgezeigt“, gestand er.
Einige Zeit sah es jedoch nicht danach aus. Ganze sieben Minuten dauerte es, bevor der Ball zum ersten Mal im von Ben Schumann gehüteten Tor landete – und das auch nur unter gütiger Mithilfe der Handballer. Hähnels Klärungsversuch per Kopf gab dem Ball nicht mehr die nötige Richtungsänderung, sodass er über den eigenen Keeper hinweg ins Tor flog. Bis dahin konnten die „Gastgeber“ ihrer Favoritenrolle allerdings noch nicht gerecht werden, was auch daran lag, dass der SV 09 mit vielen der jungen „Neuzugänge“ angetreten war. „Man hat zwischen den beiden Halbzeiten schon einen deutlichen Unterschied in unserem Spiel gesehen“, gestand auch 09-Trainer Philipp Schmoldt.
Die Einwechslungen von sieben Spielern, die beim Ligastart in einer Woche sicherlich zur ersten Elf gehören werden, sorgten dann für einen gänzlich anderen Auftritt in Hälfte zwei. Victor-Ramon Roldán-Arias und Nick Pumptow trafen doppelt, Florian Schmidt-Daul und Thorben Zöger je einmal gegen die nur zu acht angereisten Rot-Weissen, die in beiden Halbzeiten Unterstützung durch Spieler des Gegners bekamen. „Durch Urlaub, Krankheit und Arbeit haben uns ein paar Leute gefehlt. Mit Tommes Vehse, Justus Kluge und Malvin Haeske waren das zum Teil auch Spieler, die auch mit dem Ball am Fuß einiges drauf haben, wie ich bei der Erwärmung vor unserem Training oftmals schon gesehen habe“, erklärte Hähnel.
Jeden Dienstag wird in der Salzland-Sporthalle zu Beginn für zehn Minuten gegen den Ball getreten – allerdings sind die Wege, die dabei zurückgelegt werden müssen, natürlich deutlich kürzere, als auf dem Kunstrasenplatz im Stadion der Einheit. „Das war für uns nicht nur eine schöne Abwechslung im Trainingsalltag, sondern auch eine gute konditionelle Einheit“, lacht Hähnel.
Der Ehrgeiz, selbst ein Tor zu schießen, war allerdings trotzdem da. Und die Handballer waren einige Male auch ganz nah dran an einem Erfolgserlebnis. Aber entweder passte der Abschluss nicht, oder Schlussmann Beier hatte etwas dagegen. „Der Ehrentreffer, wie im Vorjahr, wäre sicherlich schön gewesen, aber am Ende war das auch egal. Es war trotzdem ein schöner, gut organisierter Tag. Im Anschluss haben wir mit den Fußballern noch ein bisschen zusammengesessen bei einer Bratwurst und einem Bier und haben den Abend gemeinsam ausklingen lassen“, blickte Hähnel abschließend zurück.
Dabei kam auch ein Gedanke auf, auf den sich die Fans möglicherweise im kommenden Winter freuen können. Schmoldt hatte sich mit Andreas Wiese unterhalten, der das Duell vor Ort verfolgt hatte: Wie viel Mehrwert hätte wohl ein Handball-Rückspiel in der Salzland-Sporthalle? „Ich habe ihn gefragt, wie viele Tore wir wohl gegen den HV werfen würden“, berichtet Schmoldt. Der frühere Coach der TSG Calbe und jetzige Torwarttrainer der österreichischen Frauen-Nationalmannschaft machte ihm allerdings wenig Hoffnung: „Wenn ihr sieben gegen sechs spielt, werden es vielleicht fünf Tore“, schmunzelte Wiese. Schmoldt wollte ihm da nicht widersprechen: „Allein wenn jemand wie Nils Hähnel da in der Deckung hochspringt, dann müssten wir schon bei unseren Mitspielern auf die Schultern klettern, um vorbeizukommen“, lachte er. Ob es in den Wintermonaten trotzdem zum Wiedersehen beider Teams kommt, muss die Zeit zeigen.
SV 09 Staßfurt: Philipp Beier – Luca Noel Schneider, Lucas Gruhn, Steven Stachowski, Benny König, Dustin Abresche, Joey Ziebell, Julien Dean Rosenberger, Florian Schmidt-Daul, Noel Leandro Stegemann, Pascal Krietsch (Florian Neugebauer, Thorben Zöger, Tom Krüger, Victor-Ramon Roldán-Arias, Maurice Hertel, Nick Pumptow)
HV Rot-Weiss Staßfurt: Ben Schumann – Sebastian Schliwa, Nils Hähnel, Florian Lück, Lino Geckert, Gene Heinrichs, Tim Steffen, Niklas Danowski, Robin Danneberg

Gerade in Hälfte zwei konnten Gene Heinrichs (r.) und die Handballer bei den Spielzügen des SV 09 um Noel Stegemann oft nur zuschauen.
Foto: Tobias Zschäpe
Originalbericht: Volksstimme vom 01.08.2026