Nicht vergessen, sondern bewusst für diese Woche eingeplant
Gemeinsam durchs Ungewisse
Fußball-Rückblick, Landesliga-Nord: Der SV 09 Staßfurt beendet die Spielzeit auf dem dritten Platz und erreicht damit das vorgegebene Saisonziel.
VON KEVIN SAGER
STAßFURT. Die Frage, wie der SV 09 Staßfurt den Verlust zahlreicher Offensivkräfte auffangen würde, begleitete die Mannschaft vor dem Start in die Saison 25/26. Mit Laurenz Hoffmann, Amon van Linthout, Maurice Hertel und Dante-Nick Storm hatten gleich mehrere Spieler den Verein verlassen, die zuvor für Torgefahr gesorgt hatten. Viele Neuzugänge mussten integriert, eine neue Hierarchie gefunden werden. Eine Saison später steht fest: Die Bodestädter haben die sportliche Antwort gegeben. Mit 54 Punkten und einem Torverhältnis von 75:55 beendeten die Staßfurter die Fußball-Landesliga, Staffel Nord, auf dem angestrebten dritten Platz.
„Grundsätzlich können wir sehr, sehr zufrieden sein“, sagt Trainer Philipp Schmoldt. „Ich glaube, das war ein ambitioniertes Ziel, wenn man sieht, was uns an Offensivkräften verlassen hat.“ Entsprechend sprach Schmoldt rückblickend von einer „kleinen Reise ins Ungewisse“. Eine Reise, die zunächst tatsächlich etwas holprig verlief. Die Mannschaft musste sich finden, Neuzugänge integriert und Abläufe gefestigt werden. „Von daher haben wir da sicherlich anfangs so ein paar Probleme gehabt“, blickt der Trainer zurück.
Zu den Spielen, die Schmoldt bis heute besonders ärgern, gehört das 1:1 gegen den Osterburger FC am sechsten Spieltag. Die Gäste gingen früh in Führung, Staßfurt kam erst in der 82. Minute durch Thorben Zöger zum Ausgleich. „Das war, glaube ich, das schlechteste Spiel, was ich je gesehen habe von uns, weil man einfach dachte, naja, das wird schon. Und dann findest du aber im Spiel den Schalter nicht mehr.“ Es war eine Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zog: Wenn die Staßfurter ihre Emotionalität, Intensität und Leidenschaft auf den Platz brachten, konnten sie nahezu jeden Gegner der Liga bezwingen. Fehlten diese Prozentpunkte, ließ sich das nicht allein mit spielerischer Qualität auffangen.
Dass die Mannschaft aber aus den anfänglichen Schwierigkeiten ihre Lehren zog, zeigte sich im weiteren Verlauf der Hinrunde. Der SV 09 kam immer besser ins Rollen und legte eine beeindruckende Serie hin. Vor allem in den Herbstmonaten drehten die Bodestädter richtig auf. Deutliche Erfolge gegen den Oscherslebener SC (4:1), den SV 08 Baalberge (6:0), Preussen Schönhausen (3:1), den TuS Schwarz-Weiß Bismark (5:1), Stahl Thale (3:0) und Arminia Magdeburg (3:1) folgten. Von den letzten neun Spielen vor der Winterpause ging 09 als Sieger vom Platz.
Einzig das 0:7 gegen den späteren Vizemeister SSV 80 Gardelegen fiel in diese erfolgreiche Phase. Auch diese hohe Niederlage ordnet Schmoldt differenziert ein. „Das sind aber echt nur die letzten 20 Minuten, die mir nicht gefallen haben, weil wir uns da ergeben haben. Vorher ist es einfach ein maximal bitteres Spiel, weil wir acht Torschüsse zulassen und daraus sieben Tore fallen.“
Ohnehin war es weniger ein einzelnes Ergebnis, das die Staßfurter Saison auszeichnete. „Wir hatten immer wieder wechselnde Startformationen, wir konnten uns nicht wirklich einspielen. Das hat aber nie eine Rolle gespielt. Also es war, egal wer auf dem Platz stand, jeder hat sich reingeschmissen, jeder war für den anderen da, da ist schon eine Truppe zusammengewachsen“, sagt Schmoldt. Genau darin sieht der Trainer einen entscheidenden Unterschied zur Vorsaison. „Es war dieses Jahr einfach von der mannschaftlichen Geschlossenheit und von der Stimmung untereinander ein Riesensprung.“ Hinzu kam eine klare fußballerische Idee. Der SV 09 wollte Lösungen mit dem Ball finden, kombinieren und Spiele aktiv gestalten. „Die Jungs wollten einfach Fußball spielen, das macht dann auch Spaß zuzugucken. Da schlägt keiner den Ball raus und wir gucken mal durch Zufall, was passiert. Das ist dann mitunter schon sehr ansehnlich.“
Wie gut diese Mischung funktionieren konnte, zeigte sich besonders in den beiden Derbys gegen Union 1861 Schönebeck. Im Hinspiel feierten die Staßfurter einen 5:2-Heimerfolg. Neben Mathias Lieder, Robert Lampe und Florian Schmidt-Daul rückte dabei vor allem Mathias Härtl in den Mittelpunkt. „Das war schon eine besondere Geschichte“, sagt der Coach über den „Einstand“ des Routiniers. Das Rückspiel sollte eine andere Geschichte erzählen, aber mit dem gleichen Sieger enden. Robert Lampe brachte die Gäste mit zwei Treffern in Führung, nach einer Roten Karte musste Staßfurt lange in Unterzahl agieren. Union kam auf 2:2 heran, ehe Victor Ramon Roldan Arias in der 89. Minute den 3:2-Siegtreffer erzielte. „Im Rückspiel sind wir lange in Unterzahl, aber machen dann das, was uns gar nicht liegt: tief hinten drinstehen, Bälle rausschlagen und setzen dann einen Konter in der letzten Minute. Das war schon sehr geil, weil wir mit diesem Spiel unser Saisonziel erreicht haben“, so der Coach.
Dass die Luft danach tatsächlich heraus war, zeigte sich an den beiden abschließenden Partien. Gegen Stahl Thale unterlagen die personell arg dezimierten Staßfurter zu Hause mit 1:4, ehe zum Abschluss bei Arminia Magdeburg ein 1:5 folgte. Schmoldt wollte diese beiden Auftritte aber nicht überbewerten.
Dass der SV 09 am Ende dennoch genau dort landete, wo er hinwollte, lag auch an Spielern, die im Laufe der Saison einen großen Schritt machten. Allen voran Robert Lampe. Der Offensivspieler nahm seine neue Rolle hervorragend an und entwickelte sich zu einem der Leistungsträger der Mannschaft. „Um den kommt man nicht drum rum.“ Eine andere, nicht minder bemerkenswerte Entwicklung nahm Tom Krüger. Nach einer langen Leidenszeit arbeitete er sich zurück und war zum Saisonende aus der Mannschaft kaum noch wegzudenken.
So bleibt unter einer Saison, die mit vielen Fragezeichen begann, ein positives Fazit. Der SV 09 Staßfurt hat den Verlust wichtiger Offensivkräfte aufgefangen, neue Leistungsträger hervorgebracht und vor allem als Mannschaft einen großen Schritt gemacht. Die anfängliche Reise ins Ungewisse war also eine erfolgreiche.

Robert Lampe (links) belebte die Offensive des SV 09 Staßfurt ungemein und war intern bester Torschütze. 19 Treffer markierte der Angreifer.

Staßfurts Routinier Matthias Härtl (in weiß) traf im Derby gegen Schönebeck doppelt.
Fotos: Christian Bartaune

Tom Krüger (l.) erspielte sich nach langer Verletzung einen Stammplatz.
Foto: Thomas Koepke
Originalbericht: Volksstimme vom 07.07.26
Foto Beitragsbild: Lutz Krüger