Beim SV 09 Staßfurt machen sich die fehlenden Außenspieler im Testspiel-Derby gegen Union Schönebeck deutlich bemerkbar. Schmoldt-Elf kann weder offensiv noch defensiv überzeugen.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STAßFURT/SCHÖNEBECK. So schön die unverhoffte Neuauflage des Derbys zwischen dem SV 09 Staßfurt und Union 1861 Schönebeck am vergangenen Sonntag für die Fans auch war, hätten sich beide Seiten an diesem Tag sicherlich lieber einen anderen Gegner und einen anderen Spielort gewünscht. Zwei Stunden nach dem Anpfiff des Kreisduells im Stadion der Einheit ging es im 20 Kilometer entfernten Bernburg schließlich um den Titel beim Sparkassen-Cup – ein Termin, der im ursprünglichen Vorbereitungsplan beider Mannschaften fest verankert war. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden beider Mannschaften einigte man sich stattdessen auf die nächstbeste Lösung.
Zumindest auf der Anzeigetafel war es das pure Kontrastprogramm zum Freitagabend. Während die Staßfurter nach ihrem 5:2 (1:2)-Erfolg beim TuS 1860 Magdeburg-Neustadt diesmal ohne Torerfolg blieben, machten die Elbestädter nach ihrer 1:3-Pleite gegen den SC Bernburg diesmal das halbe Dutzend voll und bejubelten am Ende einen 6:0 (3:0)-Auswärtssieg.
„Freitag war völlig in Ordnung, da hatten wir von Anfang an viel Spielkontrolle, viel Ballbesitz. Die beiden Gegentore vor der Pause haben wir uns da mal wieder selber reingeschossen, weil wir ins Dribbling gehen, den Ball verlieren und das Gegentor kassieren. In Hälfte eins haben wir noch zu wenig auf Kommandos unserer Mitspieler gehört, das dann aber nach der Pause besser gemacht. Da hatten wir dann eine gute Tiefe im Spiel und sind verdient zu den Toren gekommen“, blickte Staßfurts Trainer Philipp Schmoldt zunächst auf die Partie in der Landeshauptstadt zurück.
Zum Derby fehlten ihm hingegen die Worte. „Es darf keine Ausrede sein, aber mit Benny König, Victor-Ramon Roldán-Arias und Noel Stegemann fehlten uns von drei möglichen Außenspielern drei. Die, die ausgeholfen haben, sind gute Zentrumsspieler, aber eben keine Außen“, suchte er nach Erklärungen für den offensiv komplett harmlosen Auftritt seiner Mannschaft. Die gegen TuS gelobte Tiefe fehlte und auch defensiv zeigten die 09er nur eine halbe Stunde lang einen ansehnlichen Auftritt. Danach war die Mannschaft „im Kopf müde“, wie es der Trainer nannte. „Wir lassen die Niederlage dann über uns ergehen, schaffen es nicht, uns defensiv nochmal reinzukämpfen.“
Auch die Pausenansprache fruchtete nicht, stattdessen brauchte Union keine 60 Sekunden, um den vierten Treffer nachzulegen. „Vier der sechs Gegentore legen wir uns auch diesmal selber rein, weil wir den Ball im Spielaufbau verlieren. Das war dann durchgehend eine wirklich schlechte Leistung“, musste Schmoldt gestehen.
Ganz anders sah die Gemütslage auf der Gegenseite aus. Hatten die Schönebecker schon gegen den Sportclub über weite Strecken eine überzeugende Leistung abgeliefert, waren sie im Derby das Team, welches einen Schritt weiter in der Saisonvorbereitung schien. „Wir haben viele Dinge gesehen, die uns positiv stimmen, vor allem taktisch und spielerisch. Dazu haben wir sechs Tore geschossen – für uns gibt es jetzt nicht ganz so viel zu klagen“, schmunzelte Co-Trainer Alexander Baumgarten.
Für ihn und sein Team ging es vor allem darum, die Neuzugänge Lukas Schwenke, Philipp Selent, Domenic Deutscher und Jean Luc Moritz, der aus der Zweiten hochgezogen wird, weiter zu integrieren. „Da helfen viele, viele Testspiele, um die Integration ein bisschen einfacher zu gestalten“, unterstreicht Baumgarten. „Spiele sind bekanntlich das beste Training.“
Allerdings wollte er die Partie und vor allem das Ergebnis auch nicht überbewerten, wohlwissend, dass beide Mannschaften noch mitten in der Vorbereitung stecken. Gerade die Staßfurter werden kommende Saison angesichts der fehlenden Außen sicherlich nur selten in der Formation vom Sonntagnachmittag antreten.
SV 09 Staßfurt: Ben Schumann – Steven Stachowski (65. Florian Neugebauer), Maximilian Moye, Kevin Hartmann, Luca Noel Schneider (46. Lucas Gruhn), Dustin Abresche, Nick Pumptow (75. Lukas Lorenz), Florian Schmidt-Daul, Max Dittwe, Lukas Lorenz (60. Timo Jahn), Joey Ziebell (46. Julien Dean Rosenberger)
Union 1861 Schönebeck: Julian Müßigbrodt – Bastian Westermeier, Nick Wenner, Domenic Deutscher (46. Jean Luc Moritz), Fritz Weidemeier, Max Drewes, Erik Nordmann, Lukas Schwenke, Karsten Bethke (46. Philip Selent), Jonatan Schäfer (46. Jannis Borchmeyer), Tami Joris Stephan (70. Leon-Pascal Jaffke)
Schiedsrichter: Maximilian Könitz
Zuschauer: 30
Tore: 0:1, 0:2 Jonatan Schäfer (26., 31.), 0:3 Karsten Bethke (45.), 0:4 Jean Luc Moritz (46.), 0:5 Tami Joris Stephan (53.), 0:6 Philipp Selent (54., Foulelfmeter)

Maximilian Moye (links) und der SV 09 Staßfurt waren Union Schönebeck im Testspiel in allen Belangen unterlegen.
Foto: Tobias Zschäpe
Originalbericht: Volksstimme vom 29.07.26