Fußball, Landesliga: Nach dem kontroversen Hinspiel treffen Union 1861 Schönebeck und der SV 09 Staßfurt erneut aufeinander. Trainer und Fans hoffen wieder auf ein Spektakel.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
SCHÖNEBECK/STAßFURT. Die Tage werden länger, die Temperaturen wärmer – es ist eigentlich nicht die Zeit für eine Krankheitswelle. Im Salzlandkreis grassierte in der laufenden Woche aber dennoch ein Fieber, das Derbyfieber um genau zu sein, denn am morgigen Sonnabend ab 15 Uhr treffen Union 1861 Schönebeck und der SV 09 Staßfurt im KT Sportforum der Elbestadt zum Salzlandduell der Fußball-Landesliga, Staffel Nord, aufeinander.
Auf beiden Seiten ist die Vorfreude auf das Prestigeduell zu spüren. Staßfurts Coach Philipp Schmoldt meinte bereits zu Wochenbeginn, dass er für so ein Spiel „niemanden motivieren“ müsse. Und auch sein Gegenüber André Hoof spürte unter der Woche, dass das Derby „in der Mannschaft ein großes Thema“ ist. Beide Teams sind heiß, es ist also angerichtet für einen echten fußballerischen Leckerbissen.
„Schönebeck und Staßfurt, das ist schon jahrelang ein Duell, eine Rivalität, weil beide Teams fast immer in der gleichen Liga gegeneinander gespielt haben“, bringt Schmoldt seine Vorfreude auf den Punkt. Besonders gerne denkt er an das Rückspiel der Aufstiegssaison 2023/24 zurück, als ein später 2:1-Sieg die Aufholjagd zum Last-Minute-Aufstieg einläutete. Die Schönebecker, die lange wie der Aufsteiger aussahen, blickten seinerzeit bekanntlich in die Röhre.
Aber auch im Hinspiel der aktuellen Spielzeit hatte der SV 09 am Ende die Nase vorn, wenn auch unter kontroversen Umständen. „Da wurden wir vom Schiedsrichter verschaukelt, der den falschen Spieler gelb und damit gelb-rot gegeben hatte“, erinnert sich Hoof. „Das war schade, dass damals auch niemand von den Staßfurtern beim Schiedsrichter interveniert hat. Da ist am Wochenende sicherlich ein bisschen zusätzliche Brisanz drin“, blickt der Union-Coach voraus.
Schmoldt will die Szene um den damaligen, fälschlichen Platzverweis für Marcus Wolkenstein unterdessen nicht heißer machen, als nötig. „Das Hinspiel wurde sicherlich durch den Schiedsrichter positiv für uns beeinflusst“, gibt er zwar zu, freut sich vor allem aber auf ein „richtig geiles Derby mit zwei Mannschaften, die Fußball spielen wollen“.
Wer seine Leistung am Ende besser auf den Platz kriegt, soll die drei Punkte mitnehmen, weiß auch Hoof. „Ich hoffe, dass sich am Ende beide Teams in die Augen schauen und sagen können, der Bessere hat gewonnen“, so Schönebecks Trainer. Nach den Auftritten der vergangenen Wochen scheint sein Team dabei leicht in der Favoritenrolle zu sein. Während die Staßfurter seit über drei Wochen auf einen Sieg warten und zuletzt oftmals mit Personalsorgen zu kämpfen hatten, treten die Elbestädter mit zwei Siegen im Rücken an.
Allerdings warnt Hoof davor, ein einfaches Spiel zu erwarten. „Gegen uns sind bei den Gegnern immer plötzlich alle wieder dabei, selbst wenn die Mannschaft in der Woche davor noch mit der E-Jugend angetreten ist“, lacht der 47-Jährige. Er selbst kann jedenfalls fast aus dem Vollen schöpfen. Bis auf Lucas Michaelis stehen voraussichtlich alle Spieler zur Verfügung.
Somit muss sich zeigen, welches Team seinem persönlichen Ziel einen Schritt näher kommt. Um den Auf- oder Abstieg geht es für beide Seiten nicht mehr, allerdings wollen die 09er ihren dritten Tabellenplatz verteidigen, den Union im besten Fall noch erreichen will. „Wir hatten uns zur Winterpause intern das Ziel gesetzt, das beste Rückrundenteam zu werden. Das ist durch den Flow von Ottersleben nicht mehr möglich, aber das zweitbeste wollen wir noch werden“, erklärt Hoof. Aktuell liegt Union im Rückrunden-Ranking hinter Gardelegen noch auf Rang drei.
Um das zu ändern, wäre morgen ein Sieg nötig, wobei Schönebecks Trainer ein 1:0 am Ende des Tages genauso lieb wäre, wie ein 5:4. „Ich bin aber ein Fan von vielen Toren“, hält er fest. „Jedes Derby hat seinen eigenen Charakter, seine Geschichten. Das macht es so besonders“, sagt unterdessen Schmoldt, der zu einem Spektakel wie im Hinspiel sicherlich auch nicht nein sagen würde.

Auf die Offensivqualitäten von 09 Stürmer Victor-Ramon Roldán-Arias (l.) wird es wieder ankommen.
Foto: Lena-Marie Köhler
Originaltext: Volksstimme vom 05.06.2026