Fußball, Landesliga: Die Rumpf-Elf des SV 09 Staßfurt verliert chancenlos gegen Kellerkind SV Stahl Thale mit 1:4. Wie Torwart Max Neumann den einzigen Treffer der Gastgeber erzielte.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STAßFURT. Die personellen Prognosen waren düster, das bestätigte sich mit Anpfiff beim Blick auf die Staßfurter Bank. Im letzten Heimspiel der Saison saßen dort beim SV 09 lediglich der dritte Torhüter Philipp Beier sowie die beiden Trainer Marcus Brüggemann und Philipp Schmoldt. Alle anderen verbliebenen und spielberechtigten Akteure standen beim Anpfiff des Duells mit dem SV Stahl Thale auf dem Platz, darunter auch erneut die beiden A-Junioren Lukas Lorenz und Luca Noel Schneider. Kevin Hartmann wurde abermals als Mittelstürmer aufgeboten.
Die Voraussetzungen gegen einen Gegner, für den es noch um den Klassenerhalt ging, waren also denkbar schlecht. Als sich dann schnell zeigte, dass auch die Einstellung an diesem Tag nicht passte, war die deutliche 1:4 (0:3)-Niederlage der Gastgeber vorprogrammiert. „Ohne Einstellung kann ich kein Spiel gewinnen. Wenn ich den Ball verliere und stehen bleibe, dann kriege ich halt die Gegentore. Klar lief offensiv nicht alles zusammen, aber das berechtigt keinen, die Defensivarbeit einzustellen“, nahm Schmoldt nach Abpfiff kein Blatt vor den Mund.
Zum Teil nahm er das vermeintliche Einstellungsproblem auch auf seine Kappe, beziehungsweise auf die des Trainerteams. „Donnerstag hatten wir wirklich versucht, ein lockeres Training zu machen, um ein bisschen Spaß zu haben, weil die Luft raus war. Ich dachte, dass wir da weiter sind. Das war dann vielleicht doch nicht so“, ordnete er ein.
So kamen die Gäste durch einen Hattrick von Glebs Zavjalovs (9./18./45.) zu einer souveränen 3:0-Pausenführung, die es aus Staßfurter Sicht in der Kabine zu besprechen galt. „In der zweiten Halbzeit wurde die Einstellung ein bisschen besser, aber ich glaube, sowas kannst du nicht einfach in der Pause kippen“, gab der Coach zu Protokoll. Zumindest kassierten die 09er zunächst keine weiteren Gegentore – bis Elizandro Bruno Ferreira Lopes eine Viertelstunde vor Schluss doch noch zuschlug und auf 0:4 erhöhte.
Im Anschluss wurde es dann kurios. Torwart Max Neumann hatte zuvor bereits die Blicke auf sich gezogen, da er 80 Minuten lang im weißen Auswärtstrikot mit der Nummer zehn zwischen den Pfosten stand. Als dann Beier für Thorben Zöger auf den Platz kam, wurde auch klar, warum: Neumann ging als Feldspieler nach vorne und machte nähere Bekanntschaft mit seinem Torhüterkollegen auf der Gegenseite, Sebastian Thimm.
„Das war vorher besprochen, angesichts unserer Wechselmöglichkeiten. Dass der Torhüter in den Sturm geht, beschreibt unsere Personalsituation gerade perfekt“, schmunzelte Schmoldt mit einer Prise Galgenhumor. „Er hat auch sofort gesagt, dass er das macht. Er ist halt auch ein super Mensch, vom Typ her. Da kann man nur 1000 Mal danke sagen, das ist nicht selbstverständlich.“
Und dann war es wieder so eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt. Mit seiner ersten Aktion im Sturm nahm Neumann den Ball 16 Meter vor dem gegnerischen Gehäuse an und erzielte den Staßfurter Ehrentreffer. „Ich könnte jetzt sagen: Wahnsinn, dass das ein Torhüter macht. Aber ist dann halt auch jemand, der mal den Abschluss sucht. Ich kann halt nur Tore schießen, wenn der Ball auch aufs Tor kommt“, betonte Schmoldt noch einmal. Kommendes Wochenende wird Neumann voraussichtlich die kompletten 90 Minuten als Feldspieler auf dem Platz stehen. Es wird sein letzter Einsatz für den SV 09: Der 18-Jährige schließt sich Landesliga-Aufsteiger Burger BC 08 an.
Der Trainer nahm am Ende lediglich zwei positive Punkte mit aus diesem „fürchterlichen Spiel“. „Zum einen, dass Max so ein Spiel macht und sich für seine Einsatzbereitschaft auch noch belohnt. Und dass aus so einer Partie niemand noch zusätzlich verletzt rausgegangen ist.“

Willy Ben Korte (hinten) und seine Teamkollegen des SV 09 Staßfurt wurden von den Gästen aus Thale immer wieder gestoppt.
Foto: Tobias Zschäpe
Originalbericht: Volksstimme vom 16.06.2026