Fußball, Landesliga: 70 Prozent Ballbesitz, ein Mann mehr und trotzdem kein Sieg. Der SV 09 Staßfurt verzweifelt im Flutlichtspiel gegen Oschersleben an seiner Ideenlosigkeit im Angriff.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STAßFURT. Auch mit zwei Mützen Schlaf konnte Philipp Schmoldt seine Enttäuschung nur schwer in Worte fassen. Was nützen am Ende 70 Prozent Ballbesitz in Halbzeit eins für seinen SV 09 Staßfurt, wenn daraus kein Treffer resultiert? Was nützen zahlreiche Abschlussmöglichkeiten und sogar ein Platzverweis für Gästekeeper Alexis Lenhard, für den ein Feldspieler zwischen die Pfosten musste, wenn der Ball danach überhaupt nicht mehr aufs Tor kommt? Nach 90 Minuten stand für die Bodestädter folglich ein unbefriedigendes 1:1 (0:0)-Unentschieden zu Buche – oder wie Schmoldt es formulierte: „zwei verlorene Punkte“.
Dabei sah die Spielanlage des SV 09 gerade in der Anfangsphase gut aus. Der Mannschaft war anzusehen, dass sie die nötige Reaktion auf das 2:2 bei Fortuna Magdeburg II zeigen wollte. Staßfurts Trainerteam sah eine solide und vor allem defensiv sehr gute erste Halbzeit. Offensiv wurden unterdessen Nadelstiche gesetzt, beispielsweise als Oscherslebens Adrian Fahr schon nach sechs Minuten einen Eckball von der Linie kratzen musste. OSC-Keeper Lenhard wurde dabei von mehreren 09ern am Herauslaufen gehindert.
Die meiste Zeit dominierten jedoch die Abwehrreihen, sodass Staßfurt in der Folge vor allem über Standards gefährlich wurde. Florian Schmidt-Daul (30./31.) scheiterte jedoch zweimal hintereinander am gegnerischen Torhüter, Victor-Ramón Roldán-Arias fehlte bei seinem Versuch von der Strafraumgrenze das Zielwasser. „Grundsätzlich hat die Einstellung gepasst, aber uns haben die Durchschlagskraft und die Ideen im letzten Drittel gefehlt“, beobachtete Schmoldt. Die letzte Chance vor der Pause hatte dann Gästespieler Adrian Fahr, dessen Abschluss zur Ecke geklärt wurde.
Die zweite Hälfte hätte aus Sicht des SV 09 kaum schlechter beginnen können. Guter Dinge auf den Platz zurückgekehrt, unterlief den Hausherren in der ersten Aktion der zweiten 45 Minuten ein Abstimmungsfehler, den Mykola Rus eiskalt zum Führungstreffer nutzte. „Wir lassen den Ball durch, weil ein falsches Kommando kommt. Der Stürmer steht hinter unseren Abwehrspielern und schiebt ihn ein“, beschrieb Schmoldt später die Entstehung des 0:1.
Beeindruckt zeigte sich seine Mannschaft nicht vom Rückstand. Weiterhin wurde versucht, Druck auf das OSC-Tor auszuüben, jedoch blieb es dabei, dass die zündende Idee fehlte. „Wir waren meistens nach Standards beziehungsweise Ecken gefährlich. Aus dem Spiel heraus fiel es uns schwer. Ein vermeintliches Tor wird uns dann außerdem aberkannt.“
Wie sollte es also anders sein: Der Ausgleich fiel eine Viertelstunde vor Schluss nach einem Eckball. Robert Lampes Hereingabe fand den Kopf von Nick Pumptow, der zum 1:1 einköpfte. Als wenig später der Platzverweis für Oscherslebens Torhüter folgte und der OSC mangels Alternativen mit Paul Künne zwischen den Pfosten weiterspielte, schien die Partie doch noch in Richtung der Gastgeber zu kippen. Doch 09 stand sich weiter selbst im Weg. „Wir drücken, sind besser – aber kriegen keinen Schuss aufs Tor hin, in dem jetzt ein Feldspieler steht“, ärgerte sich Staßfurts Übungsleiter. „Ob das ein Freistoß war, der knapp daneben ging, oder in der letzten Sekunde ein Abschluss, der einen Meter vorbeiging – das war alles zu verspielt. Da haben die einfachen Sachen gefehlt. Keine Ahnung, was ich mit dem Punkt anfangen soll.“

Max Dittwe (hinten) und Rico Hentrich (Nummer 17) zeigten gute Ansätze, mussten sich dennoch mit einem Punkt begnügen.
Foto: Lena-Marie Köhler
Originaltext: Volksstimme vom 28.04.2026