Fußball: Kein Tor, kein Sieg und doch ein besonderer Moment: Warum Max Dittwes beherzter Einsatz mehr wiegt als jedes Ergebnis – und jetzt vom FSA ausgezeichnet wird.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STASSFURT. Bereits seit 2013 verleiht auch der Fußballverband Sachsen-Anhalt die Auszeichnung „Fairplay-Geste des Monats“, um beispielhaftes faires Verhalten zu würdigen und dem Fairplay-Gedanken im Fußball mehr Gewicht zu verleihen. Oft sind es gerade die Momente, in denen Spieler Verantwortung übernehmen und echten Sportsgeist zeigen, die einen sportlichen Wettkampf mehr prägen als Tore und Siege.
„Ich kenne aus der Vergangenheit auch einige, die diese Ehrung bekommen haben“, blickt Max Dittwe vom SV 09 Staßfurt gerne auf die bisherigen Preisträger zurück. Fortan gehört er selbst zu diesem elitären Kreis. Für sein reaktionsschnelles Handeln im Spiel seines Vereins gegen Grün-Weiß Ilsenburg am 20. Februar wurde er nun kürzlich ausgezeichnet. „Ich fühle mich geehrt, jetzt selbst dazuzugehören“, so Dittwe.
Was war passiert? „Nach einem intensiven Zweikampf blieb ein Ilsenburger Spieler verletzt am Boden liegen, nachdem er unglücklich mit dem Knie auf dem Kunstrasen aufgekommen war. Kurz darauf kam es zu einer Spielunterbrechung, die für die medizinische Versorgung genutzt wurde. Während auch der Trainer der Ilsenburger Mannschaft, Jörg Treziak, das Spielfeld betrat, übernahm Max Dittwe eine zentrale Rolle: Er erkannte sofort die Schwere der Verletzung und kümmerte sich über einen längeren Zeitraum intensiv um seinen Gegenspieler“, schreibt der Fußballverband in seiner Mitteilung.
Für Staßfurts Nummer 9 war das in diesem Moment keine bewusste Entscheidung, sondern eine intuitive Reaktion. „Soweit ich mich erinnere, blieb der Gegenspieler im Kunstrasen hängen und hielt sich direkt das Knie. Da ich in unmittelbarer Nähe stand, war es für mich selbstverständlich, sofort nachzuschauen und mich zu erkundigen, wie es ihm geht. In dem Moment habe ich einfach gehofft, dass es nichts Schlimmeres ist“, beschreibt er seine ersten Gedanken auf dem Spielfeld.
Durch seine beruhigende Einwirkung ließ er es erst gar nicht dazu kommen, dass die Emotionen hochkochen konnten. Denn auch wenn diese zum Sport dazugehören, „darf man nicht vergessen, dass die meisten von uns das Ganze als Hobby betreiben. Deshalb steht für mich der Fairplay-Gedanke immer im Vordergrund“, so Dittwe. Für ihn ist Fairness dabei immer ein Geben und Nehmen. „Wenn 22 Spieler auf dem Platz stehen, die alle sehr emotional sind, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es häufiger zu strittigen Situationen kommt. Umgekehrt ist es natürlich auch so: Wenn die Spieler ruhiger bleiben, verlaufen viele Situationen entspannter. Deshalb sehe ich uns Spieler auf jeden Fall mit in der Verantwortung“, betont er.
Explizit geschult werden Fußballer und andere Sportler darin nicht. Dittwe hat jedoch vieles von seinen Eltern mit auf den Weg bekommen, gerade in seiner Jugend. „Vieles entwickelt sich mit der Zeit. Ich glaube auch, dass es viel damit zu tun hat, was für ein Mensch man ist und wie man von anderen wahrgenommen werden möchte – auf und neben dem Platz. Meine Eltern haben mich da auf jeden Fall geprägt und sind bis heute ein wichtiges Vorbild für mich.“
Wie viel ihm die Auszeichnung bedeutet, wird deutlich, wenn er darüber spricht, dass er sich ein ähnlich faires Verhalten noch viel öfter von seinen Mit- und Gegenspielern wünscht. „Vielleicht tragen solche Auszeichnungen auch dazu bei, dass mehr Spieler Fairplay nicht nur als einzelne Entscheidung sehen, sondern als Haltung, die man dauerhaft lebt. Wenn das dazu beiträgt, unseren Sport ein Stück respektvoller und menschlicher zu machen, dann haben solche Ehrungen auf jeden Fall ihren Wert“, erklärt er.

Max Dittwe (Mitte) vom SV 09 Staßfurt bekam die Urkunde für seine Fairplay-Geste.
Foto: FSA
Originaltext: Volksstimme vom 30.03.2026