Fußball, Landesliga: Der SV 09 Staßfurt verpasst beim VfB Ottersleben den Ausgleich und bekommt im Topspiel nach der Pause schonungslos die aktuellen Grenzen aufgezeigt.
Von Tobias Zschäpe
Staßfurt. Victor-Ramon Roldán-Arias hatte es im Vorfeld schon angekündigt: In der zweiten Halbzeit des Spitzenspiels gegen Landesliga-Tabellenführer VfB Ottersleben würde er aufgrund eines privaten Termins seinem SV 09 Staßfurt nicht zur Verfügung stehen. Die Zielstellung war also klar: Er – und seine Teamkollegen – wollten ihre Torgefahr bereits vor der Pause unter Beweis stellen, um sich einen kleinen Vorteil für Halbzeit zwei herauszuspielen.
Die Ansätze dazu waren da, wie Staßfurts Trainer Philipp Schmoldt erklärte. „Die erste Halbzeit war ausgeglichen, da waren wir eigentlich völlig okay drin“, meinte er nach Abpfiff. Die wohl zwingendste Chance auf ein Staßfurter Tor hatte Max Dittwe in der 38. Minute durch einen Fernschuss, den Justus Worm im VfB-Tor allerdings zur Ecke klärte. Es wäre der zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente Ausgleich gewesen, denn in der 19. Minute hatte Jonas Riemann die Magdeburger im „Otterbau“ in Führung gebracht.
„Wir haben am Anfang schon Glück, dass Ottersleben den Elfmeter nicht bekommt“, erinnerte sich Schmoldt nach Abpfiff an eine Szene in der achten Spielminute. „Dann kriegen wir den Elfmeter gegen uns, was sehr ärgerlich ist, weil es eine Situation war, die wir vorher angesprochen hatten. Wir wussten, was Ottersleben machen möchte“, betont der 09-Trainer. „Nach den Chancen zu urteilen, hätte es zur Pause auch 2:2 stehen können, aber wir machen den Ausgleich nicht.“
Statt mit einer Führung – oder wenigstens pari – in die Kabinen zu verschwinden, liefen die Staßfurter folglich nach der Pause einem knappen Rückstand hinterher. An einem normalen Tag wäre ein 0:1 zur Pause sicherlich kein Beinbruch gewesen. Doch was die Bodestädter mit Wiederanpfiff auf den Rasen brachten, war letztlich kaum der Rede wert.
Roldán-Arias hatte wie angekündigt den Platz verlassen und fehlte an allen Ecken und Enden. „Das ist gerade eine Qualität, die wir einfach nicht ersetzen können“, musste Schmoldt gestehen. „Und dann hatten wir einfach nicht die Qualität auf dem Platz, um Ottersleben gefährlich zu werden.“ Die Gastgeber präsentierten sich nach Wiederanpfiff deutlich spritziger und ballsicherer – sprich dominant. „Wir wollten wieder höher anlaufen. Und wir hatten vor dem Tor die nötige Ruhe“, erklärte VfB-Coach Oliver Malchau. Dieser Plan ging vollends auf.
Für die 09er gingen die gegnerischen Spielzüge jetzt viel zu schnell, während „wir nach vorne gar nichts mehr zustande bekommen haben“, ärgerte sich Schmoldt. Sein Team war in den zweiten 45 Minuten wortwörtlich chancenlos. Auch die Tatsache, dass unter anderem mit Rico Hentrich, Thorben Zöger und Dean Kreutzer mehrere potenzielle Stammspieler fehlten und dass Steven Stachowski nach einer Roten Karte für eine Grätsche, als schon abgepfiffen war, frühzeitig duschen musste, wollte er als Übungsleiter nicht als Ausrede gelten lassen. Immerhin konnte Staßfurts Trainerteam einige Wechsel durchführen.
Den entscheidenden Impuls, um die Partie noch zu drehen, gab das aber nicht. Vincent Nahrstedt (51.), Damian Leuschner (59.) und Ermin Berishaj (76.) sorgten stattdessen für den eindeutigen Endstand zugunsten des alten und neuen Spitzenreiters. „Im Endeffekt muss man einfach sagen, dass Ottersleben und Gardelegen gerade eine andere Qualität haben als wir“, gab Schmoldt nach Abpfiff unumwunden zu. Nun geht es darum, das selbst ausgerufene Ziel – einen Top-Drei-Platz – zu festigen. Vier Punkte Vorsprung haben die 09er aktuell auf Verfolger Oschersleben, der allerdings auch noch eine Partie in der Hinterhand hat.

Robert Lampe (links) und der SV 09 Staßfurt waren gegen den Spitzenreiter aus Magdeburg am Ende chancenlos.
Foto: Christian Bartaune
Originaltext: Volksstimme vom 03.03.2026