
Fußball, Landesliga: Im Schnitt drei Tore pro Spiel bringen den SV 09 Staßfurt zur Winterpause in Schlagdistanz zur Tabellenspitze. Welche Vorteile der personelle Umbruch mit sich brachte.
Von Tobias Zschäpe
Staßfurt. Der Umbruch war am Ende größer als erhofft. Nach einer Seuchen-Saison in der Verbandsliga ging es für den SV 09 Staßfurt direkt wieder zurück in die Fußball-Landesliga, verbunden mit einigen Abgängen. Insbesondere die Wechsel der beiden besten Torjäger, Amon van Linthout und Laurenz Hoffmann, wogen schwer für eine Mannschaft, die sich oftmals mit dem Toreschießen schwertat.
Und so war der Restart eine Klasse tiefer durchaus holprig für die Bodestädter. „Zu Beginn der Saison hat man gemerkt, dass sich die Mannschaft auch noch finden muss. Zuletzt haben wir in neun Spielen aber 24 Punkte geholt, damit können wir mehr als zufrieden sein“, fasst Staßfurts Trainer Philipp Schmoldt die Hinrunde rückblickend zusammen.
Das positive Fazit überrascht wenig, schließlich ist die Mannschaft inzwischen bis auf Rang drei geklettert und hat nur vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter und Mitabsteiger SSV 80 Gardelegen. „Wir wollten unseren Weg, Fußball zu spielen, weiter bestreiten, auch wenn die letzte Saison von vielen negativen Ergebnissen geprägt war. Das hat in dieser Spielzeit gut geklappt, und daran haben auch unsere Neuzugänge einen großen Anteil, die sowohl sportlich als auch menschlich unsere Erwartungen voll ausgefüllt haben“, erklärt Schmoldt das Erfolgsrezept, das nach etwas Anlaufzeit für den Aufwärtstrend sorgte.
Die ersten Ergebnisse sprachen allerdings zunächst für die von den Verantwortlichen erwartete schwierige Saison in einer starken Liga. Die Leistungen waren in dieser Phase noch zu wechselhaft. So folgte auf eine „derart schlechte Halbzeit, dass mir dafür immer noch die Erklärung fehlt“ gegen Osterburg das Duell mit Saxonia Tangermünde. Dieses konnte zwar ebenfalls nicht gewonnen werden, aber „da sind wir mit dem allerletzten Aufgebot hingefahren, und die Jungs haben 90 Minuten ihr Herz auf dem Platz gelassen und verdient einen Punkt mitgenommen“, erinnert sich Schmoldt gerne.
Und dann war da natürlich noch das 0:7-Debakel gegen Ligaprimus Gardelegen Anfang November. „Wir sind vernünftig gestartet, haben aber nach 20 Minuten komplett unseren Plan verlassen“, so der Trainer. Es hätte der Wendepunkt zum Negativen werden können, doch der SV 09 zeigte eine Woche später die richtige Reaktion und kehrte zu Hause gegen Preußen Schönhausen zurück in die Erfolgsspur. Es war der erste von fünf Siegen in Folge in Richtung Winterpause.
Unter anderem gegen Lokalrivale Union 1861 Schönebeck, ein Derby, „das viele kleine Geschichten geschrieben hatte. Da haben sich die Jungs für ihren Aufwand belohnt, und Matze Härtl hilft uns mit zwei Toren enorm weiter“, schickt er noch einmal ein Dankeschön an den Routinier. An diesem Tag waren die Treffer des besten Torjägers der Vereinsgeschichte enorm wichtig, ansonsten verteilt die Mannschaft die Last, wie eingangs erwähnt, bislang erfolgreich auf mehrere Schultern.
„Wir machen im Schnitt drei Tore pro Partie. Hier sehe ich unsere größte Stärke, dass wir im offensiven Bereich sehr variabel sind und durch verschiedenste Spieler Torgefahr ausstrahlen. Generell ist vermutlich das Spiel mit dem Ball als unsere große Stärke anzusehen“, erklärt Schmoldt, der genauso wie Trainerkollege Marcus Brüggemann stolz darauf ist, dass die Mannschaft immer den Ball haben und es spielerisch lösen will. „Das ist schon ansehnlicher Fußball, aber diese Saison haben wir auch dazugelernt, dass in bestimmten Situationen auch ein langer Ball zum Erfolg führen kann“, schmunzelt er.
Diese können manchmal verhindern, dass man überhaupt erst in die Situation kommt, individuelle Fehler zu machen, die dann zu Gegentoren führen. Ein Problem, das die Mannschaft schon seit Jahren begleitet. „Da sind wir auf einem guten Weg, müssen trotzdem weiterhin daran arbeiten, die Konzentration über die 90 Minuten durchgehend hoch zu halten“, betont Staßfurts Coach, der gemeinsam mit der Mannschaft am internen Ziel „Top-Drei-Platz“ festhält.
Dafür wird es in der Rückrunde noch einmal kleinere Veränderungen im Kader geben. Kevin Weber und Lorenzo Sori Acosta werden den Verein verlassen. Dafür stoßen aus der A-Jugend Lukas Lorenz und Luca Noel Schneider zum Team, die seit Saisonbeginn mittrainieren und ab der Winterpause spielberechtigt sind. „Beide zeigen im Training, dass sie sich nicht verstecken und Spielzeit bekommen wollen. Wir freuen uns sehr darauf, Jungs aus der eigenen Jugend in den Männerbereich führen zu dürfen“, unterstreicht Schmoldt.

Rico Hentrich (rechts) und der SV 09 Staßfurt stehen nach der Hinrunde auf einem guten dritten Platz.
Foto: Thomas Koepke
Originalbericht: Volksstimme vom 19.01.2026