So reagierte man im Jahre 1928 auf eine 6:0-Pleite
Wir gehen in das Spieljahr 1928/29, in dem der SV 09 nach der Auflösung des Eine-Bode-Gaues dem Mittel-Elbe-Gau zugeordnet wurde. Ehe jedoch die ersten Verbandsspiele zum Austragen kamen, verlangte, auch nicht minder interessant, erst einmal der Pokal seine Aufmerksamkeit. Und, als wäre es der blanke Zufall, wurde durch den Gau der erste Kampf zwischen den beiden Staßfurter Vereinen festgelegt. Es war zugleich der letzte unseres favorisierten SV 09 im „Sportpark 09“ am „Leopoldshaller Schützenhaus“. Hiermit war zusätzlich für Zuspruch gesorgt. Das Spiel gegen den V.f.B. Staßfurt endete am 05. August des Jahres 1928 deutlich 7:2.
Nächster Gegner in der Zwischenrunde war so der „Feuerwehr-Sportverein“ Magdeburg, einer der technisch und spielerisch Besten Magdeburgs überhaupt. Sein neuer Sportplatz „Seilerwiese“, mit einer tadellosen Rasenfläche ausgestattet, und in wundervoller Umgebung gelegen, war dem Spiel ein eindrucksvoller Rahmen.
Leider jedoch bot der Kampf selbst, am 19. August des Jahres 1928, nicht das erwartete dazugehörige Bild. Denn allein das Ergebnis von 6:0 für die Magdeburger sagte bereits aus, dass beide Gegner ungleich waren. Die Gäste boten wirklich eine derart unangenehme Gesamtleistung, so dass sie trotz größter Anstrengungen noch nicht einmal das Ehrentor erzielen konnten. Bereits zur Pause lagen sie mit 4:0 zurück.
Nach dem Seitenwechsel versuchten die Unterlegenen zunächst noch einmal mit aller Macht den Spielstand zu revidieren. Doch als alle Bemühungen ohne Erfolg blieben, fügten sie sich in ihr Schicksal, und so konnten die Grün-Weißen bei teilweise drückender Überlegenheit noch zweimal erfolgreich sein.
Nach dieser sehr schwachen Leistung war dann in der „Staßfurter Zeitung“ vom 21. August des Jahres 1928 unter der Überschrift „Ein schwarzer Tag des SV 09“ auch gleich folgendes zu lesen:
„Der 19. August des Jahres 1928 wird in der Geschichte des SV 09 als ein betrübendes Zeichen stehen. Die 1. Fußballelf wurde in Magdeburg recht überzeugend geschlagen. Hier eine Entschuldigung zu suchen, wäre sinnlos. Die für die Elf sehr blamabel ausgefallene Kritik sagt, auch dem Laien, eigentlich alles. Für den Eingeweihten spricht sie Bände. Denn noch ärger als das hohe Resultat ist das verlorene, mühsam erworbene Prestige zu beklagen. Der erste Eindruck ist bekanntlich der Beste, und dass dieser gut war, kann man wohl nicht unbedingt behaupten.
Es ist hohe Zeit, dass gerade die 1. Elf des SV 09 sich auf ihren ehemaligen Kampfgeist besinnt, denn sonst werden sich schon in nächster Zeit weitere hohe Niederlagen ergeben, deren Folgen sich wohl bereits heute übersehen lassen.“
Der Stachel der hohen Niederlage, und der obige Artikel saßen beim SV 09 sehr tief. Eine außerordentliche Versammlung im „Preußischen Hof“ blieb unvermeidbar. Dort fielen harte Worte, in der Absicht, den überaus schlechten Eindruck vom Auftreten im Pokal schnellstmöglich zu verwischen, wenn denn am 26. August des Jahres 1928 die Verbandsspiele beginnen.
Die Versammlung hatte vermeintlich ihre Früchte getragen, konnten doch die Staßfurter ihr erstes Spiel beim V.f.B. Schönebeck mit 5:3 gewinnen.
