Das Verbandsliga-Schlusslicht kann im Nachholspiel gegen den Vorletzten CFC Germania eine zweimalige Führung nicht nutzen. Warum die Staßfurter den Klassenerhalt trotzdem noch nicht abschreiben.
Der SV 09 Staßfurt versprüht im wegweisenden Nachholspiel beim CFC Germania Spielfreude, lässt aber einmal mehr die nötige Abgezocktheit vermissen. Nur die Tatsache, dass die Rückrunde noch lang ist, bleibt derzeit als letzter Strohhalm für den Tabellenletzten.
Was wäre wenn?
Manchmal liegt ein schmaler Grad zwischen Pech und Unvermögen. Was wäre, gewesen, wenn Amon van Linthout seinen Abschluss in Hälfte zwei über die Torlinie gedrückt hätte? Wenn Laurenz Hoffmann seinen Abschluss nach 54 Minuten frei vor dem leeren Tor in die Maschen gehämmert hätte. Oder, wenn der Torschuss von Janek Telge kurz vor dem Abpfiff nicht vom Köthener Schlussmann von der Linie gekratzt worden wäre? Dann hätte wohl niemand über die zuvor ausgelassenen Chancen oder fehlende Abgezocktheit gesprochen.
Da aber die Möglichkeiten zum dritten Staßfurter Tor ungenutzt blieben und stattdessen Gastgeber CFC Germania im Kellerduell der Fußball-Verbandsliga zwei Minuten vor Schluss den 2:2 (1:1)-Endstand erzielte, blieb einmal mehr nur die Suche nach Gründen bei den Bodestädtern.
Nackenschlag kurz vor der Pause
„Für die Mannschaft tut es mir unglaublich leid. Sie hat bis zum Schluss gekämpft, konnte sich aber nicht belohnen“, so 09-Trainer Philipp Schmoldt, der sich ebenso wie seine Spieler kaum über den Punktgewinn freuen konnte. „Es war ein sehr kampfbetontes Spiel – was ja eigentlich nicht unsere Stärke ist“, gestand der Übungsleiter. Doch diesmal war er mit der Leistung seiner Elf zufrieden.
Die fuhr schon früh den Lohn für ihren über 90 Minuten unermüdlichen Einsatz ein und ging durch den Treffer von Florian Schmidt-Daul nach neun Minuten in Führung. Anschließend verpasste es die Mannschaft aber, zu erhöhen und kassierte stattdessen in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den neuerlichen Nackenschlag zum 1:1-Ausgleich.
Vorentscheidung verpasst
Schmoldt hatte aber schon kurz nach Wiederbeginn wieder Grund für bessere Laune. „Direkt mit unserer ersten Aktion machen wir das 2:1. Das war richtig gut nach dem Nackenschlag vor der Pause“, berichtete er rückblickend. Amon van Linthout erzielte sein neuntes Saisontor. Was folgte war der eingangs erwähnte Chancenwucher, bei dem CFC-Torwart Christian Schulze mehrfach schon geschlagen war, der Ball aber trotzdem nicht den Weg über die Linie fand. „Da war das 3:1 mehr als drin“, ärgerte sich auch Schmoldt.
Mit der Zeit fanden aber auch die Gastgeber wieder besser in die Partie und kamen ihrerseits zu Chancen. So war Staßfurt auch wieder defensiv gefordert. „Das ist ehrlich gesagt nicht unser Spiel, uns hinten reinzustellen. Aber Spielzüge aufziehen war auf dem Platz nur schwer möglich“, machte Schmoldt deutlich, warum sein Team nicht noch zu mehr Möglichkeiten kam.
Strafe für Chancenwucher
Und so kam es zwei Minuten vor Schluss, wie es kommen musste: Durch den Treffer zum 2:2 von Jonas Binkau teilten sich die beiden Kellerkinder doch noch die Punkte – maximal unglücklich aus Sicht der Gäste. Pech war dabei auch das Stichwort in der Analyse des Staßfurter Trainers. „Wenn mit Laurenz Hofmann unser technisch vielleicht bester Spieler das leere Tor nicht trifft, dann ist das in meinen Augen kein Unvermögen, sondern einfach Pech“, hielt er fest, um dann vielsagend anzufügen, „allerdings haben wir schon seit Wochen und Monaten Pech“.
Nicht auf die Tabelle schauen
Klar wurde durch die unnötigen, späten Gegentore in beiden Halbzeiten einmal mehr: Den Staßfurtern fehlt auch die Abgezocktheit, um auf diesem Niveau zu bestehen. „Es fehlt uns die Erfahrung“, gesteht auch Schmoldt. Dennoch hat er die Hoffnung auf den Klassenerhalt weiter nicht aufgegeben. „Ich habe den Jungs schon in der Vorbereitung gesagt, dass wir nicht auf die Tabelle schauen müssen, dafür ist der Abstand zu groß. Wir müssen uns auf unser Spiel konzentrieren und die bestmögliche Leistung abrufen“, so der Coach.
Am besten bereits am Freitagabend, 14. März, ab 19 Uhr. Dann ist der Tabellenzweite 1. FC Lok Stendal zu Gast im Stadion der Einheit an der Hecklinger Straße. „Ich freue mich trotz der aktuellen Situation auf die Spiele gegen die Topteams, zumal wir nichts zu verlieren haben“, blickte Schmoldt voraus.

Unter Flutlicht waren die Staßfurter um Robert Lampe zu Gast in Köthen.
Originaltext Tobias Zschäpe: https://www.volksstimme.de/lokalsport/stassfurt vom 12.03.2025
Foto: Sven Brückner