Die Landesliga-Fußballer des SV 09 Staßfurt wachen im Auswärtsspiel bei Stahl Thale viel zu spät auf und lassen über weite Strecken die nötige Aggressivität und Zweikampfstärke vermissen.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
THALE/STAßFURT. Zehn Minuten vor Schluss machte irgendetwas in den Köpfen der Staßfurter Spieler „Klick“, irgendein Hebel wurde noch einmal umgelegt und die Landesliga-Fußballer des SV 09 wurden plötzlich motivierter in ihren Aktionen, aggressiver in den Zweikämpfen. „Das war schon kurios: Wir wollten auf einmal wieder Fußball spielen und einfache Dinge machen, die dann auch gut geklappt haben“, blickte Co-Trainer Jan Rettinghaus zurück. Sein Team bekam in der Schlussphase der Partie gegen den SV Stahl Thale sogar noch einen Elfmeter zugesprochen, den Robert Lampe souverän zum zweiten Treffer seines Teams nutzte, doch das Aufbäumen der Bodestädter kam zu spät. Es war nur noch Ergebniskosmetik bei der 2:4 (1:1)-Niederlage bei den Harzern. Auch nach dem verwandelten Strafstoß blieben die Gäste aggressiv und bissig, ein weiterer Torerfolg blieb ihnen aber verwehrt. „Hätten wir das gleich ab der 46. Minute auf den Platz gebracht, wäre es vielleicht anders ausgegangen, aber so war es halt nicht“, gestand Rettinghaus.
Stattdessen hatten die ersten 80 Minuten die zurückliegende Trainingswoche widergespiegelt. Diese war zwar „vernünftig“, so der Co-Trainer, aber eben nicht mehr. Der fehlende letzte Biss war da schon zu erkennen. „Die letzten zehn, 15 Prozent, wie es dann eben auch am Sonnabend der Fall war.“ Die Staßfurter waren in den Zweikämpfen immer wieder einen Schritt zu spät und ließen die nötige Einstellung in den Zweikämpfen vermissen.
Das erste Erfolgserlebnis der Partie gehörte aber dennoch 09. In der 20. Minute war es wieder einmal eine Ecke, die zum Torerfolg für Staßfurt führte. Diesmal zirkelte Robert Lampe das runde Leder allerdings direkt ins Tor und überraschte damit Stahl-Keeper Sebastian Thimm.
Lange hielt die Führung allerdings nicht, denn keine fünf Minuten später war Thale in Person von Marius Diemke zur Stelle, der eine Vorlage von Glebs Zavjalovs zum Ausgleich nutzte. Rettinghaus ärgerte sich, dass sein Team die Führung nicht mit in die Kabine nehmen konnte. „Durch einen einfachen Ballverlust auf Höhe der Mittellinie und einem tiefen Ball hinter die Kette kassieren wir das 1:1. Das war viel zu einfach.“
Für die zweiten 45 Minuten war damit weiter alles offen. Staßfurt ging die zweite Hälfte mit der Hoffnung an, Zählbares mit nach Hause zu nehmen, wusste aber auch, dass weiterhin kein fußballerischer Leckerbissen zu erwarten war. „Wir wussten, ein schönes Fußballspiel wird es nicht werden, sondern viel Kampf. Und den haben wir einfach nicht angenommen“, musste Rettinghaus weiterhin mit ansehen. Statt erneut in Führung zu gehen, kassierten die Gäste nach einer Stunde das 1:2 nach einem Elfmeter von Steffen Hägemann, „der auch völlig berechtigt war“. Zavjalovs (75.) und Elizandro Bruno Ferreira Lopes schraubten das Ergebnis für die Gastgeber in die Höhe, bevor der SV 09 viel zu spät aufwachte. „Das 4:1 war ein Sonntagsschuss. Dass wir den zulassen, zeigte aber auch wieder, dass bei uns die letzte Konsequenz gefehlt hat“, ordnete der Übungsleiter die weiteren Gegentreffer ein. „Es war wieder ein unnötiger Ballverlust, der Gegner dribbelt an und schießt ohne Bedrängnis – so funktioniert das nicht“, ärgerte er sich.
Als die Bodestädter anschließend noch einmal besser in die Partie fanden, war diese längst entschieden. Mit dieser Pleite müssen die 09er nun zwei Wochen lang leben: Das nächste Spiel findet erst am Freitag, 6. November, zu Hause gegen Arminia Magdeburg statt.

Lange Gesichter beim SV 09 Staßfurt um Tom Krüger, Benny König, Victor-Ramon Roldan-Ariás und Doppeltorschütze Robert Lampe (von links).
Foto: Saskia Döhmann
Originalbericht: Volksstimme vom 26.10.2026