Platzverweis, zurückgenommener Elfmeter und ein aberkanntes Tor in letzter Sekunde: Die Landesliga-Niederlage des SV 09 Staßfurt beim Osterburger FC bietet reichlich Gesprächsstoff.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
OSTERBURG/STAßFURT. Als sich die ersten Zuschauer schon auf die Suche nach einem trockenen Plätzchen machen wollten, um dort die Halbzeitpause der Regenschlacht zwischen dem Osterburger FC und dem SV 09 Staßfurt zu verbringen, wurde es im Landesliga-Duell plötzlich hektisch. Thorben Zöger und ein Angreifer der Gastgeber stürzten unglücklich ineinander, Zögers Schreien nach zu urteilen hatte er sich in der Aktion schwerer verletzt. Dennoch entschied Schiedsrichter Felix Grünwald auf Elfmeter für den OFC. Staßfurts Jan Rettinghaus rannte blitzschnell auf den Platz, um seinen gerade frisch 22 Jahre alt gewordenen Abwehrspieler zu behandeln und richtete dabei auch einige deutliche Worte an den Unparteiischen. Dieser zögerte nicht lange und zeigte Rettinghaus die Rote Karte.
Doch damit war die Situation noch nicht zu Ende. Plötzlich kam auch einer der Linienrichter hinzu, sprach mit Grünwald – und dann kam plötzlich alles anders. Die Karte hatte zwar Bestand, die Elfmeterentscheidung jedoch nicht. „Der Linienrichter stand 30 Meter weg, das war schon Glück für uns. An Osterburgs Stelle hätte ich wohl den Glauben an die Menschheit verloren“, gestand auch 09-Trainer Philipp Schmoldt, dass kurz vor dem Gang in die Kabinen bereits eine Vorentscheidung hätte fallen können.
Denn zu diesem Zeitpunkt lagen die Gäste bereits mit 1:3 in Rückstand, obwohl die Anfangsphase zunächst den Staßfurtern gehört hatte. „Wir haben es im Griff, hatten viel Ballbesitz und gehen verdient durch Robert Lampe in Führung“, erinnerte sich Schmoldt. Kevin Hartmann hätte zudem in der 29. Minute auf 2:0 erhöhen können. Doch in der Folge beschäftigten sich die Gäste zu sehr mit den äußeren Bedingungen, haderten immer wieder mit dem tiefer werdenden Rasen, der von Minute zu Minute schwerer zu bespielen war. „Genau diese Stimmung projizieren wir dann auf den Platz. Wir kommen in keine Zweikämpfe mehr, beschäftigen uns mit uns untereinander. Ich weiß auch nicht, woher das kam. Das ist auch sicherlich eine Sache, die man beim Training nochmal auswerten muss. Und dann schmeißen wir binnen 15 Minuten das ganze Spiel weg“, beschrieb Schmoldt die Viertelstunde vor der Pause.
Tatsächlich brauchte der OFC sogar nur neun Minuten, um den Spielstand komplett zu drehen. Moritz Noack (35.), Phillip Magerin (38.) per Handelfmeter und Collin Schröder (44.) sorgten für den 1:3-Pausenstand aus Staßfurter Sicht.
Nach der Pause änderte sich nur wenig am Spielverlauf. Zwar versuchte 09, angetrieben durch den eingewechselten Justin Faatz, wieder vernünftig von hinten raus zu spielen, dabei fehlte aber die wirkliche Gefahr vor dem gegnerischen Tor. „Justin bestreitet viele Eins-gegen-Eins-Duelle und zieht die auch. Er hat uns mit seiner Einwechslung noch einmal deutlich weitergeholfen“, lobte sein Trainer. Kein Wunder, dass er letztlich auch an der Szene beteiligt war, die zum Freistoß vor dem zweiten 09-Tor in Minute 79 führte. Florian Schmidt-Daul schnappte sich das runde Leder und beförderte es zum 3:2 in die Maschen.
In der Schlussphase warfen die Gäste noch einmal alles nach vorn und drängten auf den Ausgleich, doch er sollte nicht fallen – oder zumindest nicht zählen. „Wir haben dann nochmal eine Ecke, eine Chance und erzielen in der letzten Sekunde auch den Ausgleich. Da hebt der Linienrichter aber die Fahne. Ich weiß nicht, ob es Abseits war, das will ich auch nicht beurteilen“, ärgerte sich Schmoldt, der sich aber in einer Sache sicher war: „Das ist eine der unnötigsten Niederlagen, die ich in meiner Zeit als Trainer mitgemacht habe.“ In der Tabelle rutschte Staßfurt damit auf Rang sieben ab.

Robert Lampe (Mitte) hatte den SV 09 Staßfurt im Regen von Osterburg in Führung gebracht. Am Ende jubelte aber der Gastgeber.
Foto: Michael Küssner
Originalbericht: Volksstimme vom 12.10.26