Der SV 09 Staßfurt fliegt nach einer 2:6 (1:3)-Niederlage gegen Verbandsligist 1. FC Bitterfeld-Wolfen krachend aus dem Landespokal. Nur kurz vor und nach der Pause keimt Hoffnung auf.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STAßFURT. Der Treffer von Bitterfeld-Wolfens Miguel Mittmeier kurz vor der Pause war am Ende sinnbildlich für das Landespokal-Aus des SV 09 Staßfurt. Der 19-Jährige war nach einem Steckpass die entscheidenden Meter schneller als die Hintermannschaft der Bodestädter, die in dieser Szene zu Statisten degradiert wurde und zusehen musste, wie die Gäste die gerade wieder aufkeimende Hoffnung der Hausherren zunichte machten. Der verwandelte Foulelfmeter von Maurice Hertel zum 1:2-Anschluss (37.) sorgte kurz zuvor noch für ein kleines bisschen Optimismus bei den 09ern – aber der 1:3-Pausenstand war letztlich doch die Vorentscheidung zugunsten der Gäste, die sich am Ende mit einem 6:2-Erfolg das Achtelfinal-Ticket sicherten.
Ein so deutlicher Ausgang hatte sich gerade in den ersten Minuten nicht abgezeichnet, als die Gastgeber mit Routinier Matthias Härtl einen Spieler im Angriff hatte, der die Bälle immer wieder festmachte und auch uneigennützig auf den Nebenmann ablegte. So versteckten sich die Staßfurter zu Beginn keinesfalls und hatten schon nach acht Minuten erstmals die Führung auf dem Kopf. Steven Stachowskis Ball landete jedoch über dem Tor. Und auch in der weiteren Folge kamen die 09er vereinzelt zu Möglichkeiten. „Offensiv war es vielleicht kein Feuerwerk, aber wir kommen in der ersten Halbzeit zu zwei Kopfballchancen, der Flanke von Maurice (Hertel, Anm. d. Red.), welche Victor (Roldán-Arias) ins Tor schießen muss und dem Elfmeter zu vier Chancen, was gegen einen Verbandsligisten in einer Halbzeit in meinen Augen okay ist“, ordnete Trainer Philipp Schmoldt die Vorpausen-Leistung seiner Elf ein.
Die Treffer aber erzielte das Schlusslicht aus Sachsen-Anhalts Oberhaus. Sebastian Bark brachte den in blau spielenden 1. FC nach 17 Minuten in Führung, Alazar Habte Mulugeta legte keine 180 Sekunden später nach. Für Schmoldt gab es dabei keine zwei Meinungen, woran die Gegentreffer lagen. „Mit unserer Einstellung kannst du kein Spiel gewinnen. Das kannst du keinem anbieten, dir selbst nicht, deinem Mitspieler nicht und den Fans nicht. Da geht es auch nicht um Taktik oder Technik, sondern um Einsatzbereitschaft, Leidenschaft, Wille. Das war heute bei fast allen nicht vorhanden – der Grund ist mir unklar. Dementsprechend bekommst du deine Gegentore. Wir treten an Bällen vorbei oder sind gar nicht erst präsent“, ärgerte er sich.
So standen Aufwand und Ertrag bei den Bodestädtern nicht im Verhältnis. Zwar bekamen die Gastgeber nach knapp 40 Minuten einen Elfmeter zugesprochen, den Hertel souverän im Tor unterbrachte, doch die neue Hoffnung hielt wie eingangs erwähnt nur wenige Minuten. Dann war der alte Abstand durch Mittmeiers Treffer wieder hergestellt.
Doch die 09er hatten sich noch nicht aufgegeben, das zeigten sie eindrucksvoll nach der Pause, als Roldán-Arias nur vier Minuten nach Wiederanpfiff abermals verkürzte. Diesmal hielt der Anschlusstreffer zwar etwas länger, doch nach einer Stunde war es dann soweit: Jonas Weimann erhöhte auf 2:4. Damit war die Partie endgültig entschieden. Staßfurt tauchte zwar noch vereinzelt vor dem gegnerischen Tor auf, blieb aber zu ungefährlich. Stattdessen erhöhte „BiWo“ noch durch Mittmeiers und Weimanns zweite Treffer zum 2:6-Endstand.
Der erhoffte Befreiungsschlag wurde es somit nicht für die Schmoldt-Elf, allerdings hatte der Trainer in der Vergangenheit bereits angedeutet, dass man den Landespokal in dieser Saison wohl nicht gewinnen werde. Somit gilt jetzt der volle Fokus auf die Landesliga, in der schnellstmöglich der erste Sieg her soll. „Ich denke, dass die Stimmung weiterhin nicht so schlecht ist. Klar hätten wir uns alle mehr Punkte erhofft, trotzdem sind es vor allem die Ligaspiele, in denen wir nicht chancenlos sind. Du verlierst traditionell in Bismark, holst einen Punkt gegen weiter ungeschlagene Osterwiecker und verlierst in der Nachspielzeit gegen Union. Wir sind in jedem Spiel phasenweise gut, aber halt nur phasenweise. Diese Phasen müssen wir ausweiten“, fordert Schmoldt.

Maurice Hertel (vorne links) scheitert hier an einem gegnerischen Verteidiger, erzielte später aber den Anschlusstreffer für seinen SV 09 Staßfurt.
Foto: Tobias Zschäpe
Originalbericht: Volksstimme vom 07.09.26