Dem SV 09 Staßfurt fehlten in der Vorbereitung einige Stammspieler. Selbstvertrauen muss man sich deshalb beim Kaltstart in Bismark holen. Ein Ausblick auf die Landesliga-Saison 2026/27.
VON TOBIAS ZSCHÄPE
STAßFURT. Es ist eine holprige Vorbereitung, die hinter den Landesliga-Fußballern des SV 09 Staßfurt liegt. Im Sparkassen-Cup war nach zahlreichen Endspielteilnahmen diesmal bereits im Viertelfinale Schluss und auch in den folgenden Testspielen klappte längst noch nicht alles. Das sorgte in den vergangenen Wochen für lauter werdende Unzufriedenheit bei den Fans, die sich über eine fehlende Spielidee und den Einsatz von Spielern auf ungewohnten Positionen wunderten.
Doch Staßfurts Trainer Philipp Schmoldt will eine Woche vor dem Saisonstart keine Unruhe von außen an die Mannschaft heranlassen. „Damit beschäftige ich mich nicht. Ich weiß, dass die Mannschaft oberstes Landesliga-Niveau hat. Wir haben aber in diesem Jahr auch viele junge Spieler dazubekommen, die noch ein bisschen Zeit brauchen werden, um sich an den Männerbereich zu gewöhnen. Bei Lukas Lorenz und Luca Schneider sieht man zum Beispiel schon, was ein Jahr in der ersten Mannschaft schon für einen Unterschied ausmachen kann. Ich bin mir sicher, dass wir auch beispielsweise an Joey Ziebell noch große Freude haben werden“, blickt Schmoldt voraus.
Bezüglich der Experimente, die personell während der bisherigen Vorbereitung gemacht wurden, erklärt er zudem, dass diese zum Teil aus der Not heraus geboren waren. Auf Grund der vielen Schichtarbeiter in der Mannschaft fehlten Thorben Zöger, Robert Lampe, Neuzugang Noel Stegemann oder Victor-Ramon Roldán-Arias streckenweise immer wieder wichtige Spieler. Maurice Hertel stand nach seinem kurzfristigen Wechsel erst am Wochenende gegen Turbine Halle erstmals über 90 Minuten zur Verfügung. „Im Saisonverlauf wird uns hin und wieder auch der eine oder andere Spieler fehlen. Ich kann aber nicht erst zum Ligastart gegen Bismark mögliche Alternativen testen“, betont Schmoldt.
Besserung zum scharfen Start
So große Lücken im Kader, wie während der letzten Wochen, soll es künftig aber nicht mehr geben. „Viele der Jungs richten ihren Schichtplan schon nach unseren Spielen aus. Wäre es ein Punktspiel, würden sie vielleicht auch die eine Stunde eher gehen, bei Freundschaftsspielen eher nicht“, erklärt Staßfurts Coach. Für den kommenden Sonnabend in der Altmark beginnenden Ernstfall müsse den Fans nicht Angst und Bange werden.
Darin ist er sich mit der Mannschaft einig. Ein offizielles Saisonziel wolle man intern festlegen, in den jüngsten Gesprächen sprach sich aber bereits ein Großteil aus, dass man eine Top-Fünf-Platzierung anstreben wolle. „Platz eins ist vermutlich an Burg vergeben. So viel Geld, wie dort in die Hand genommen wird, hat vermutlich kein anderer Landesliga- oder Verbandsliga-Verein. Mein Fußball-Herz wünscht sich aber Gardelegen. Mindestens Platz zwei haben sie in meinen Augen sicher. Dahinter ist aber eigentlich alles offen“, schätzt Schmoldt ein. Also auch für sein Team.
Dafür müssen die 09er allerdings im Vergleich zur Vorsaison den nächsten Schritt gehen. Es ist noch nicht allzu lange her, dass Schmoldt seine Mannschaft als „nicht bereit“ für die Verbandsliga beschrieb. Seitdem musste Staßfurt den Abgang verschiedener erfahrener Spieler verkraften. Deren Abgezocktheit und Routine wird der Mannschaft kommende Saison fehlen.
Umso schwerer wird es, die richtige Einstellung und Mentalität zu finden – nicht nur im Derby gegen Schönebeck. „Wir wollen weiter viel Ballbesitz haben, aber wir wissen auch, dass wir nicht alle Partien spielerisch gewinnen können. Wir haben in den vergangenen Wochen daran gearbeitet und werden auch weiter daran arbeiten, einen Plan B und C zu haben, wenn schönspielen nicht reicht“, erklärt Schmoldt.
Mentalität muss stimmen
Gegen Union ließen die Staßfurter genau das vermissen. Es fehlten zwar einige Spieler, um das geplante Flügelspiel aufzuziehen, allerdings müsse an solchen Tagen dann zumindest die Einstellung un der Kampf stimmen. Einerseits wolle er sein Team für den Auftritt im Derby nicht in Schutz nehmen, „aber ich kann es schon ein bisschen verstehen, wenn man schon einige Einheiten in den Beinen hat und dann aber die Ergebnisse nicht stimmen, weil sich die Gegner hinten reinstellen“, blickte er unter anderem auf das Duell mit Einheit Bernburg zurück. „Irgendwann geht dann die Motivation ein bisschen herunter.“
Bis zum kommenden Wochenende soll sie nun aber zurückkehren, denn dann wartet die schwierige Auswärtsfahrt nach Bismark. „Ich möchte, dass wir da hinfahren, um zu gewinnen und uns nicht sagen: Die letzten Male haben wir dort verloren, naja, dann verlieren wir diesmal halt auch wieder.“ Einfach wird die Trendwende gegen Schwarz-Weiß jedoch nicht: Auch in der Generalprobe gegen Halle fehlten wieder einige potenzielle Stammspieler. „Wir hatten bisher kaum ein aussagekräftiges Testspiel. Es wird wohl ein Kaltstart in Bismark“, gestand Schmoldt.

Gerade defensiv müssen Kevin Hartmann (M.), Ben Schumann und Co. sich in der neuen Saison verbessern.
Foto: Tobias Zschäpe
Originalbericht: Volksstimme vom 03.08.2026