Fußball, Teamshop89-Salzlandpokal: Der Favorit und Titelverteidiger SV Plötzkau beißt sich im Finale gegen Salzlandligist Rotation Aschersleben die Zähne aus und verliert 3:5 (2:3).
VON CARSTEN ROLOFF
BERNBURG/MZ. Kurz vor dem Schlusspfiff des Endspiels um den Teamshop89-Salzlandpokal suchte Christian Bilkenroth das Weite. Dazu hatte der Trainer des SV Plötzkau zwei triftige Gründe. Zum einen feierte seine Tochter Emma ihren Abschluss in der Ascherslebener Adam Olearius-Schule, zum anderen lag seine Mannschaft, die als Favorit und Pokalverteidiger in dieses Endspiel gegangen waren, mit 3:5 (2:3) zurück. Bei diesem Stand sollte es nach Ablauf der Nachspielzeit auch bleiben. Erstmals in der Vereinsgeschichte konnte damit der eine Klasse tiefer spielende Salzlandligist SV Rotation Aschersleben nach der Kreisreform im Jahr 2007 den Kreispokal erobern.
„Die Mannschaft hat den Matchplan komplett umgesetzt und hat sehr viel Herzblut in dieses Finale hineingelegt. Enrico Hoyer und ich sind megastolz auf die Jungs“, lautete das Fazit von Ascherslebens Trainer Thomas Nehm, der gemeinsam mit seinen gleichberechtigten Kollegen auf der Bank, Enrico Hoyer, und seinen Schützlingen nach dem Abpfiff ausgelassen feierte. „We are the champions“, sangen die Ascherslebener Kicker den Hit von Queen.
Getrübte Stimmung
Die Stimmung bei den Spielern des Pokalverteidigers war nach dem Abpfiff dagegen auf dem Nullpunkt. „Rotation hat uns überhaupt nicht ins Spiel kommen lassen und verdient gewonnen. Wir haben eigentlich nur drei Möglichkeiten herausspielen können“, sagte Plötzkaus Co-Trainer David Hildebrandt nach dem Abpfiff, der auch betonte, dass es nicht an den Schiedsrichtern gelegen habe, dass die Lila-Gelben als Verlierer den Platz verließen. Das sahen einige Plötzkauer Fans jedoch unverständlicherweise etwas anders. Der Schiedsrichter Nick Seydlitz hat mit seinen beiden Assistenten Marcel Mönner und Steffen Krause über weite Strecken eine solide Vorstellung geboten.
Für den Favoriten lief zunächst alles nach Plan. Referee Nick Seydlitz zeigte nach einem Handspiel von Mattes Hain im eigenen Strafraum auf den Punkt. Tobias Reiners (10.) verwandelte den fälligen Elfmeter eiskalt zur 1:0-Führung für den Dritten der Landesklasse Staffel 3. Zehn Minuten später hatte der Außenseiter durch einen Konter von John Leon Jahn wieder auf null gestellt. Nach der Flanke von Elias Beck köpfte Steven Christmann (27.) die Plötzkauer zum zweiten Mal in Führung.
Doch die Abwehr des Pokalverteidigers war alles andere als sattelfest. Nachdem John Leon Jahn (32.) zunächst am glänzend reagierenden SVP-Keeper Christopher Heinemann scheiterte und Paul Siegel den Abpraller an die Latte nagelte, drehten die Einestädter in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit durch die Treffer von Maximilian Sobbe und John Leon Jahn die Partie. Von diesem doppelten Tiefschlag konnten sich die Plötzkauer nicht mehr erholen.
Und es sollte noch bitterer für den Favoriten kommen. Maximilian Sobbe (52., 57.) schoss die Aschersleber innerhalb von fünf Minuten ins Glück. Vier der fünf Gegentreffer, die die Plötzkauer kassierten, fielen über die linke Abwehrseite. Da bekam die Defensivformation überhaupt keinen Zugriff und hatte in den entscheidenden Situationen auch erhebliche Schnelligkeitsnachteile. „Wir haben Charakter gezeigt und sind auch nach den zwei Rückständen zurückgekommen“, so der ehemalige Kicker des SC Bernburg in den Reihen der Ascherslebener, Patrick Illiger.
Sich selbst im Weg gestanden
Hendrik Kluge konnte in der 67. Minute nur noch auf 3:5 verkürzen. Bei der möglichen Aufholjagd standen sich die Plötzkauer dann jedoch auch noch selbst im Weg. Routinier Sebastian Horner sah für einen belanglosen Spruch die Ampelkarte. In Unterzahl bekamen die Lila-Gelben gar nichts mehr auf die Reihe. „Im Endeffekt haben wir leider verdient verloren, waren beim Spielaufbau zu hektisch. Rotation hat einfach mehr in diese Partie investiert“, erklärte Plötzkaus Schlussmann Christopher Heinemann, der noch dreimal großartig reagierte und keines der fünf Gegentore hätte verhindern können. Zu frei liefen die Rotation-Stürmer auf ihn zu.
„Wir haben den Aufstieg in die Landesklasse verpasst, aber wollten wenigstens einen Titel haben“, so Ascherslebens Trainer Enrico Hoyer. Das hat Rotation geschafft. Plötzkaus Bürgermeister hat mit Absicht auf die kurze Reise nach Bernburg verzichtet und äußerte seinen Unmut, dass die Partie überhaupt ausgetragen worden wurde, bereits vor dem Anpfiff. „Fast alle Veranstaltungen werden wegen der Hitze abgeblasen. Außerdem ist der Zeitpunkt des Finales alles andere als günstig. Sowohl Aschersleben als auch wir müssen in zwei Wochen wieder im Sparkassencup ran. Die Jungs bekommen keine Zeit zur Regeneration“, erklärte Peter Rosenhagen, der aus Aberglauben das Finale in der Sparkassen-Arena nicht verfolgte. „Ich bringe uns kein Glück.“ In diesem Endspiel hätten die Plötzkauer nicht nur eine Glücksgöttin Fortuna benötigt, um als Sieger den Rasen zu verlassen. Rotation war einfach besser.
Statistik
SV Rotation Aschersleben – SV Plötzkau 5:3 (3:2)
SV Rotation Aschersleben: Denny Walter, Luis Große, Mattes Hain (46. Niklas Hain), Philipp Landgrabe, Tony Erwin Schüler (90. Peter Kuhlberg), Patrick Illiger, Justin Zimmermann, Paul Siegel (80. Hogir Isa), Luca Horlitz, Maximilian Sobbe (62. Benjamin Fischer), John Leon Jahn (92. Nico Umlauf)
SV Plötzkau: Christopher Heinemann, Tobias Reiners, Steven Christmann (67. Kevin Krahl), Niklas Sack, Elias Pascal Beck (46. Noel Maurice Weirauch), Hannes Gruschetzki (75. Constantin Döltz), Mario Hesse (46. Rico von Lachner), Max Jochen Popp (46. Pascal Fechtner), Sebastian Horner, Hendrik Kluge, Amon van Linthout
SR: Nick Seydlitz – ZS: 754
Tore: 0:1 Tobias Reiners (9. Handelfmeter), 1:1 John Leon Jahn (19.), 1:2 Steven Christmann (27.), 2:2 Maximilian Sobbe (45.+1), 3:2 John Leon Jahn (45.+5), 4:2 Maximilian Sobbe (50.), 5:2 Maximilian Sobbe (56.), 5:3 Hendrik Kluge (66.)
Gelb-Rot: Sebastian Horner (84./SV Plötzkau)

Der Plötzkauer Sebastian Horner (rechts) musste vorzeitig den Platz verlassen und spielte Aschersleben (Philipp Landgrabe) zusätzlich in die Karten.
Foto: Sven Brückner

Nach dem Erfolg kamen die Siegershirts von Rotation zum Vorschein.
Foto: Verein
Originalbericht: Volksstimme vom 01.07.2026